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11.12.2019

Fachkräftemangel in technischen Berufen weiter verschärft

Seit der ersten Erhebung im Jahr 2016 tendiert der Fachkräftemangel-Index stets in dieselbe Richtung: nach oben. Besonders Ingenieur- und Technikberufe sind schweizweit am stärksten von einem Mangel an Fachkräften betroffen. Grosse Unterschiede sind zwischen den analysierten Regionen zu erkennen, wobei die Deutschschweiz stärker betroffen ist als die Romandie.

Ein Fachkräftemangel herrscht laut Definition dann, wenn für einen Beruf mehr Stellen vorhanden sind, als es Ausgebildete gibt, welche diese besetzen könnten. Zwar ist dies für die wenigen Arbeitskräfte in den entsprechenden Bereichen eine durchaus attraktive Situation. Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht wirkt sich ein Fachkräftemangel jedoch als Bremse auf die Wirtschaftsleistung und die Innovationfähigkeit der Unternehmen und der Gesellschaft als Ganzes aus.

Der Fachkräftemangel-Index ist eine bedeutsame Kennzahl

Die Erhebung der jährlichen Situation am Arbeitsmarkt erfolgt seit 2016 und wird vom Soziologischen Institut der Universität Zürich in Zusammenarbeit mit der Adecco Gruppe Schweiz durchgeführt. Die verwendeten Daten stammen aus dem wiederum vierteljährlich erhobenen Adecco Group Swiss Job Market Index, wohl besser bekannt als Job Index. Diese Messgrösse für die Entwicklung am Stellenmarkt der Schweiz ist landesweit als wissenschaftlich fundiert anerkannt.

Der in dieser Studie betrachtete Fachkräftemangel-Index wird berechnet durch das Verhältnis zwischen freien und besetzten Stellen für einen spezifischen Beruf. Dies zeigt, wie stark der Fachkräftemangel in diesem Beruf ist, jedoch erlaubt es keine Rückschlüsse, wie gross der Mangel (oder das Überangebot) verglichen mit anderen Berufen ist. Um dies zu ermöglichen, wird der eben errechnete Quotient mit einer Gewichtung multipliziert, welche die Grösse des Berufsfelds repräsentiert. Die Daten stammen dabei aus dem vorher erwähnten Job Index sowie aus Zahlen der Arbeitsvermittlung und Arbeitsmarktstatistik. Für den aktuellen Bericht wurde der Zeitraum zwischen Dezember des letzten Jahres bis September 2019 betrachtet.

Zunehmender, akuter Mangel in Ingenieur-, Technik- und Treuhandberufen

Die Gesamtsituation hat sich in den vergangenen Jahren leider nicht verbessert: Seit 2016 hat der Fachkräftemangel-Index über die gesamte Schweiz um 22% zugenommen. Davon am stärksten betroffen sind, wie bereits im Vorjahr, die Ingenieurberufe wie Bau- und Elektronikingenieur/-Innen. Danach folgen Technikberufe, zum Beispiel Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechniker/-Innen. Auf Rang drei des Fachkräftemangel-Index liegen Berufe im Treuhandwesen, gefolgt von Informatikberufen (Analytiker/-Innen, Programmierer/-Innen) und Berufen der Humanmedizin und Pharmazie, in denen die Anzahl ausgebildeter Ärzte und Ärztinnen den Bedarf des stetig wachsenden Gesundheitssystems nicht decken können.

Im Bericht wurden die Daten zudem nach Regionen aufgeschlüsselt. Dabei zeigt sich, dass die Deutschschweiz viel stärker vom Fachkräftemangel betroffen ist, wobei die Situation in der Romandie sich im letzten Jahr ebenfalls verschärft hat. Interessanterweise sind in beiden Regionen dieselben Berufsfelder von einem Mangel betroffen.

Die andere Seite der Medaille und mögliche Lösungen

Für Arbeitnehmer in Berufsfeldern in denen ein Mangel an Stellenangeboten herrscht, ist die Situation indes nicht so beneidenswert. Davon betroffen sind vor allem kaufmännische und administrative Berufe, sowie solche in Reinigung, Hygiene und Körperpflege (beispielsweise Coiffeure und Coiffeusen). Allerdings hat sich die Situation in diesen Bereichen tendenziell etwas entschärft, weil mehr offene Stellen und weniger Konkurrenz vorhanden war.

Die Autoren der Studie deuten damit auch auf mögliche Lösungen für die Situation eines Fachkräftemangels hin: Arbeitnehmer sollten sich wenn möglich in Kompetenzen umschulen und weiterbilden, die auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind. Ebenfalls einen Beitrag zur Besserung können Arbeitgeber leisten, indem sie Aus- und Weiterbildungen in solche Kompetenzen fördern. Ebenfalls sollten die Wirtschaft und Politik zusammenspannen, um attraktive Arbeitsbedingungen in diesen Berufsfeldern zu schaffen, beispielsweise um es Eltern zu ermöglichen, Familie und Beruf zu vereinbaren.

Die Studie ist auf der Webseite der Adecco Gruppe zu finden: https://adeccogroup.ch/de/studien/fachkraeftemangel-index-schweiz/

Autor: Alex von Wyl