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24.09.2021

Schaden uns die Nanopartikel im Covid-Impfstoff?

Immer wieder taucht das Argument auf, dass die aktuell verwendeten Covid-Impfstoffe Nanopartikel enthalten. Das stimmt, aber ist das gefährlich?

«Es wird mit hoher Geschwindigkeit ein Nanopartikel in eure Blutbahn geschossen», heisst es in einer Audio-Nachricht, die vor der Covid-Impfung warnen soll.

Das klingt ja fast, als würde jemand eine Atombombe in meiner Blutbahn zünden.

Dabei: Was ist ein Nanopartikel? Zunächst einmal ist «nano» nicht mehr und nicht weniger als eine Grössenbezeichnung. Nanopartikel sind Teilchen, die zwischen einem und hundert Nanometer klein sind. Ein Nanometer entspricht 0,000 000 001 Meter, also einem Milliardstel Meter. Die Bezeichnung «nano» leitet sich aus dem griechischen «nanos» ab, was «Zwerg» bedeutet. Auch auf Spanisch heisst der Zwerg «Enano». Ein Nanoteilchen ist zunächst also einfach mal ein zwergenhaft kleines Teilchen.

Bei den Nanoteilchen in der Covid-Impfung handelt es sich um winzige Fettkügelchen, genauer gesagt Lipidkügelchen. Diese bilden die Verpackung für die impfaktive mRNA. Denn diese ist sehr instabil. Man könnte sie nicht in eine Spritze aufziehen und in einen Oberarm injizieren. Sie würde vorher schon zerfallen. Um sie zu schützen, ist die mRNA in eben diese zwergenkleinen Lipidkügelchen eingepackt. Auch bei anderen Anwendungen werden heute therapeutisch wirksame Substanzen in kleinen Nano-Transportern an den richtigen Wirkort im Körper transportiert.

Also stimmt die Aussage: im Covid-Impfstoff gibt es Nanopartikel in Form von Fettkügelchen. Aber, sind diese gefährlich? Nein. Denn wie gesagt, «nano» besagt nur etwas über die Grösse der Teilchen.

Natürliche Nanopartikel

Nanopartikel kommen auch natürlicherweise in vielen Lebensmitteln vor: zum Beispiel in der Milch, in Form von Casein, das Protein, aus dem Käse gemacht wird. Es kugelt sich zu kleinen Kügelchen im Nanomassstab zusammen.

Neu ist bei solchen natürlichen Nanopartikeln nur der die Bezeichnung als «nano». Denn genutzt werden ihre Eigenschaften bei der Milchverarbeitung seit Tausenden von Jahren.

Nanopartikel als Nahrungsmittelzusatz

Aber es gibt auch Nanopartikel, die Lebensmitteln künstlich zugesetzt werden. Zum Beispiel Titandioxid, das als Lebensmittelzusatz E171 unter anderem Milchprodukten, Glacé, Kaugummi oder auch Tabletten eine weisse Farbe gibt. Titandioxid hat es übrigens auch in der Dispersionsfarbe an den Wänden in deiner Wohnung. Oder Siliziumdioxid, auch bekannt als Kieselsäure. Es wird eingesetzt in Würzmitteln, Nahrungsergänzungsmitteln, Kochsalz oder Scheibenkäse. Es ist Träger für Farbstoffe, Aromen und Weichmacher in Arzneimitteln und Kosmetika. Und schliesslich wird Nano-Siliciumdioxid auch in Bio-Lebensmitteln und Babynahrung eingesetzt. Diese Stoffe sind in der Nahrung unbedenklich. Da sie aber so klein sind und in unserem Körper praktisch überall hinkommen, gibt es für deren Verwendung Grenzwerte.

Titandioxid ist auch in einigen Sonnenschutzmitteln mit hohem Lichtschutzfaktor enthalten. Verschiedene Studien deuten darauf hin, dass nanoskaliges Titandioxid durch gesunde Haut nicht in den Körper eindringen kann. Trotzdem ist Vorsicht angebracht.

Gefährliche Nanopartikel

Aber es gibt auch klar gefährliche Nanopartikel. Zum Beispiel Feinstaub aus Heizungsabgasen oder dem Abrieb der Bremsbeläge von Autos oder Eisenbahnen. Diese sind potenziell gesundheitsgefährdend. Aber weniger, weil sie «nano» sind, sondern weil sie typischerweise aus Russ oder Metallen bestehen. Ihre Winzigkeit erlaubt diesen Russ- und Metallteilchen, in unserem Körper praktisch überall hinzukommen und sich unter Umständen in Organen anzuhäufen. Es ist also nicht primär der Nanomassstab, der Partikel gefährlich macht, sondern der Stoff, aus dem sie sind.

Nanomaterialien werden auch an vielen weiteren Orten eingesetzt. Zur Veredlung von Oberflächen zum Beispiel. Diese werden durch eine Beschichtung mit Teilchen im Nanomassstab kratzfester, schmutz- und wasserabweisend oder antibakteriell. Bei dieser Verwendung bezieht sich das «nano» weniger auf die Art des Materials, sondern vielmehr auf die Dicke, beziehungsweise Dünne der aufgetragenen Schicht. Eine solche Nanooberfläche hast du übrigens täglich in den Fingern, vielleicht sogar gerade in diesem Moment, wo du diesen Text liest. Die Oberfläche deines Smartphones ist nanobeschichtet.

Und der Chip im Impfstoff?

Bleibt noch das Ding, das uns mit dem Impfstoff verabreicht werden soll, und zu unserer Überwachung dient: der Chip. Pardon, der Mikrochip.

Ja was jetzt Mikro oder Nano? Da besteht eben ein Unterschied der Dimensionen. Der weltweit kleinste Chip wurde im Mai dieses Jahres von Forschenden der Columbia Universität vorgestellt.

Und tatsächlich wird er in den menschlichen Körper injiziert. Und er dient sogar zur Überwachung! Aber in der Covid-Impfung ist er nicht enthalten. In experimentellen Anwendungen kann er verschiedene Parameter in unserem Körper messen – Temperatur, Blutdruck, Glukose, die sich dann von aussen berührungsfrei ablesen lassen. Aber auch hier stimmen die Behauptungen der Corona-Mythen nicht: Der Chip kann sich nicht mit dem Funknetz der Mobiltelefonie verbinden. Er macht die Überwachung von physiologischen Werten von Patientinnen und Patienten einfacher. Aber wie gross ist dieses «Überwachungsgerät»? Riesig! Ungefähr so gross wie eine Hausstaubmilbe: 0,1 Millimeter breit, hoch und lang. Das heisst: etwa 1000 bis 10 000-mal grösser als ein Nanopartikel. Von «nano» also keine Spur – und im Impfstoff ist er schon gar nicht enthalten.

Quelle: higgs.ch
Schaden uns die Nanopartikel im Covid-Impfstoff?

Bildquelle: flickr
U.S. Secretary of Defense: 201214-D-BN624-0328