Seit 2005

22.10.2015

Sind Autos Nanoröhrchen-Fabriken auf Rädern?

Forscher haben in Zellen der Atemwege von Kindern Kohlenstoff-Nanoröhrchen detektiert. Ähnliche Nanoröhrchen wurden ebenfalls im Abgas von Fahrzeugen gefunden. Die Tatsache, dass bei allen Patienten der (kleinen) Stichprobe Nanoröhrchen gefunden wurden, deutet auf eine mögliche Exposition der Bevölkerung gegenüber den Röhrchen hin, wenngleich nicht klar ist, wie hoch diese ist.

Wissenschaftler der Universität Rice haben mit Kollegen in Frankreich das Vorhandensein von Kohlenstoff-Nanoröhrchen (englisch Carbon Nanotubes, CNT) in Zellen aus den Atemwegen von Pariser Kindern während einer Routine-Asthmabehandlung entdeckt. Ebenso wurden ähnliche Nanoröhrchen in Abgasproben von Fahrzeugen wie auch im Staub von verschiedenen Orten in der Stadt gefunden. Die analysierten Partikel wurden in den Alveolarmakrophagen (auch als Staubzellen bekannt und auf der Oberfläche der Lungenbläschen zu finden) entdeckt. Diese Zellen dienen als Lungen-Barriere für exogene Partikel und Bakterien. Die untersuchten Zellen stammten von Asthma-Patienten im Alter von 2 bis 17. Basierend auf der Tatsache, dass bei allen untersuchten Patienten Nanoröhrchen gefunden wurden, kommen die Forscher zum Schluss, dass wahrscheinlich generell Kohlenstoff-Nanoröhrchen-Ablagerungen in menschlichen Lungen zu finden sind.

Vulkane, Waldbrände und andere Verbrennungen von Kohlenstoffmaterialien sind natürliche Fullerenquellen. Bereits eine simple Katalyse ist für die Umwandlung von Fulleren in Kohlenstoff-Nanoröhrchen ausreichend. Katalysatoren dienen z.B. in Fahrzeugen der chemischen Umwandlung von Kohlenmonoxid in weniger schädliche Emissionen. Dieser Vorgang weist Ähnlichkeiten zu einem Herstellungsverfahren von Kohlenstoff-Nanoröhrchen auf, welches ebenfalls an der Universität Rice entwickelt worden ist.

Bestimmte Kohlenstoff-Nanoröhrchen könnten eine ähnliche kanzerogene Wirkung wie Asbest haben. Lange Kohlenstoff-Nanoröhrchen wie auch grosse Aggregate von kleineren Röhrchen können eine granulomatöse (Entzündung) Reaktion induzieren. Die Konzentrationen der gefundenen Kohlenstoff-Nanoröhrchen in den Proben war niedrig, dennoch stehen sie unter Verdacht, Asthma hervorrufen zu können. Interessant ist, dass Kohlenstoff-Nanoröhrchen gar die Hauptkomponente der kohlenstoffhaltigen Verschmutzung in den Proben waren.

Artikel: © Die Innovationsgesellschaft mbH

Quelle: Rice University News & Media (Press Release)

Bild: © ruigsantos - Fotolia.com